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Planung

App-Idee planen, bevor du promptest

Ein KI-Tool baut, was du beschreibst, und rät den Rest. Eine Seite Plan vor dem ersten Prompt, also deiner ersten Anweisung an die KI, macht aus diesen Vermutungen Entscheidungen, die du selbst getroffen hast.

7 Min. Lesezeit · Aktualisiert 25. September 2026 · Geprüft

Warum Prompten ohne Plan dich Zeit kostet

Du schreibst „Bau mir eine App, mit der man Yogakurse buchen kann“, und die KI fragt nicht nach. Sie füllt jede Lücke mit einer Vermutung: Wer meldet sich an? Was ist eigentlich eine Buchung? Was passiert, wenn ein Kurs voll ist? Das Ergebnis sieht fertig aus. Genau das ist die Falle.

Die Vermutungen holen dich später ein. Du willst etwas ändern, die KI baut dafür etwas um, das sie sich selbst ausgedacht hatte, und ein Teil, der lief, geht kaputt. Du reparierst ihn, und etwas anderes bricht. Niemand hat je festgelegt, wie die App sich verhalten soll, also stapelt jeder Prompt eine neue Vermutung auf die alten. Dazu kommt: Derselbe Prompt kann bei jedem Versuch anderen Code liefern, wie diese Analyse der Reparaturschleifen zeigt.

Die Hersteller dieser Tools sehen das genauso. Anthropic warnt im Leitfaden zu Claude Code, seinem KI-Tool zum Programmieren, dass eine KI, die sofort Code schreibt, womöglich das falsche Problem löst. Auch Cursor, ein weiteres KI-Tool zum Programmieren, schreibt, dass Planen dich zwingt, klar darüber nachzudenken, was du eigentlich baust.

Klar genug, bevor du bauen lässt · Aus der Faber-Wissensbasis

Was auf eine Seite Plan gehört

Du brauchst kein langes Konzept. Du brauchst eine Seite, die sechs Fragen in einfachen Worten beantwortet. Wenn du eine davon noch nicht beantworten kannst, ist das die wertvollste Erkenntnis: Genau an dieser Stelle hätte die KI geraten.

  • Das Ziel in einem Satz. Was die App tut und für wen, zum Beispiel: „Mitglieder meines Yogastudios buchen mit dem Handy einen Platz im Kurs.“
  • Für wen sie ist. Erst mal eine Art von Nutzer. „Für alle“ ist keine Antwort.
  • Die drei bis fünf Dinge, die V1 können muss. V1 ist die erste Version, die du wirklich benutzt. Nimm als Muss-Funktion nur auf, was für das Ziel unverzichtbar ist.
  • Was V1 bewusst weglässt. Bezahlung, ein Admin-Bereich zum Verwalten, eine eigene App aus dem App Store: Schreib sie auf deine Später-Liste. Dann sind sie entschieden und nicht vergessen.
  • Der eine Kernablauf. Der Weg vom Öffnen der App bis zu dem, weswegen jemand gekommen ist, in vier bis sechs Schritten.
  • Fertig, wenn … Drei bis fünf Dinge, die du selbst prüfen kannst. Das ist deine Fertig-Liste, zum Beispiel: „Ein Mitglied bucht einen Kurs und sieht ihn unter Meine Buchungen.“

Die Später-Liste ist so wichtig wie die Liste der Muss-Funktionen. Mit KI fühlen sich neue Funktionen kostenlos an, also schleicht sich alles ein, was du nicht ausdrücklich ausgeschlossen hast. Ein aufgeschriebenes „Jetzt nicht“ ist eine Entscheidung, auf die du zeigen kannst. Lovable, ein KI-Tool, das aus Beschreibungen Apps baut, bringt es in seinem Prompting-Leitfaden auf den Punkt: Vage Ideen führen zu vagen Ergebnissen.

Die kleinste sinnvolle V1 · Aus der Faber-Wissensbasis

So wird aus der Seite dein erster Prompt

Steht die Seite, schreibt sich der erste Prompt fast von selbst. Kopier nicht den ganzen Plan hinein und verlang die ganze App. Gib das Ziel und die Später-Liste als Hintergrund mit und bitte um ein Stück: den Kernablauf oder seinen ersten Teil.

Ein guter Prompt hat vier Teile: das Ziel, den Umfang (was gebaut wird und was nicht), was weiter funktionieren muss und wann es fertig ist. Kopier die Vorlage in das Eingabefeld deines KI-Tools und ersetze alles in eckigen Klammern durch das, was auf deiner Seite steht.

Erster Prompt aus deinem Plan
Ziel: [ein Satz aus deinem Plan]
Für: [wer die App nutzt]

Bau nur diesen Schritt: [der Kernablauf oder ein Teil davon]
Jetzt nicht: [deine Später-Liste]
Muss weiter funktionieren: [was schon läuft oder „noch nichts, das ist der erste Schritt“]

Fertig, wenn:
- [Prüfung 1]
- [Prüfung 2]
- [Prüfung 3]

Bevor du Code schreibst: Stell mir bis zu drei Fragen zu allem, was unklar ist. Beschreib mir dann deinen Plan in ein paar Sätzen und warte auf mein OK.

Die letzten beiden Sätze machen den Unterschied. Aus einer KI, die rät, wird eine, die erst mit dir klärt, was sie baut.

Lass dir von der KI zuerst Fragen stellen

Auch auf einer guten Seite fehlt etwas. Das ist normal. Am günstigsten findest du die Lücke, bevor es Code gibt. Also lass die KI danach suchen.

Viele Tools haben dafür einen eigenen Planungsmodus. Im Plan Mode von Cursor und im Plan mode von Lovable stellt die KI Rückfragen und schlägt einen Plan vor, den du bearbeiten kannst, bevor Code entsteht. Auch Claude Code hat einen solchen Planungsmodus, in dem es sich dein Projekt nur ansieht und antwortet, ohne etwas zu ändern. Dein Tool hat so etwas nicht? Dann übernehmen die letzten beiden Sätze der Vorlage diese Aufgabe.

  1. Schick den Prompt ab und lies die Fragen. Beantworte sie in einer Nachricht, kurz und konkret.
  2. Deckt eine Frage eine echte Lücke auf, trag die Antwort auch auf deiner Seite nach. Im Chat geht sie sonst unter.
  3. Lies den Plan, den die KI vorschlägt, und vergleiche ihn mit deiner Später-Liste. Steht etwas davon im Plan? Dann bitte die KI, es zu streichen.
  4. Erst dann antwortest du „OK, bau es“ und lässt sie bauen.

Eine Funktion pro Prompt

Läuft der erste Schritt, ist die Versuchung groß, gleich die nächsten drei auf einmal zu verlangen. Lass es. Ein Prompt, eine Funktion, dann prüfst du sie anhand deiner Fertig-Liste und gehst erst danach weiter.

Kleine Schritte halten Änderungen überschaubar. Geht etwas kaputt, weißt du, welcher Prompt es war, und der Weg zurück kostet einen Schritt statt eines Nachmittags. Ein großer Prompt bewirkt das Gegenteil: Viele Änderungen kommen auf einmal, und ein Fehler versteckt sich zwischen denen, die du nie angesehen hast.

Anthropic gibt eine praktische Faustregel dafür, wann ein Plan übertrieben ist: Wenn du die Änderung in einem Satz beschreiben kannst, brauchst du keinen. Einen Tippfehler korrigieren? Kein Plan nötig. Eine neue Funktion? Schon.

  1. Nimm die nächste Muss-Funktion von deiner Seite.
  2. Schreib einen Prompt mit den vier Teilen: Ziel, Umfang, „Muss weiter funktionieren“ und „Fertig, wenn“.
  3. Lass die KI zuerst ihre Fragen stellen und dann bauen.
  4. Prüf das Ergebnis selbst anhand deiner Fertig-Liste. Erst dann geht es weiter.
  5. Neue Idee unterwegs? Schreib sie auf deine Später-Liste, nicht in den Chat.

Wenn das Ergebnis trotzdem abdriftet

Manchmal baut die KI trotzdem etwas anderes, als du gemeint hast. Der Reflex: im Chat korrigieren, wieder und wieder. Cursor empfiehlt das Gegenteil: die Änderungen zurücknehmen, den Plan genauer machen und neu starten. Das gehe oft schneller, als eine KI nachzubessern, die schon mitten in der Arbeit steckt.

Hier zahlt sich deine Seite doppelt aus. Du musst nicht mit einem Haufen Code diskutieren. Du änderst eine Zeile auf der Seite, etwa einen genaueren Punkt auf der Fertig-Liste oder einen zusätzlichen auf der Später-Liste, und startest den Schritt noch einmal von dem Stand vor dem missglückten Versuch.

Checkliste zum Mitnehmen

  • Mein Ziel passt in einen Satz.
  • Ich weiß, für wen V1 ist.
  • V1 hat drei bis fünf Muss-Funktionen, nicht mehr.
  • Meine Später-Liste enthält alles, was V1 weglässt.
  • Der Kernablauf hat vier bis sechs Schritte.
  • Meine Fertig-Liste hat drei bis fünf Prüfungen, die ich selbst machen kann.
  • Mein erster Prompt verlangt nur einen Schritt und lässt die KI zuerst Fragen stellen.

Quellen

  1. Best practices for Claude Code · Anthropic · abgerufen 25. September 2026
  2. Best practices for coding with agents · Cursor · abgerufen 25. September 2026
  3. Plan Mode · Cursor Docs · abgerufen 25. September 2026
  4. Plan a change in Plan mode · Lovable Documentation · abgerufen 25. September 2026
  5. Prompting best practices · Lovable Documentation · abgerufen 25. September 2026
  6. Why Your Vibe-Coded App Keeps Breaking Every Time You Fix Something · DEV Community (Anatoly Silko) · abgerufen 25. September 2026

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